LOGINPOV Lucian BlackthorneIn einer anderen Zeit, in einem anderen Leben wäre dieser Saal voller Wölfe und Hexen, voller Ältester und Eliten jedes Clans, die die Hochzeit des Alphakönigs und seiner vorherbestimmten Königin in voller Pracht bewundern würden. Lily verdient eine große, prächtige Hochzeit. Sie ist nicht nur meine Gefährtin und meine Luna; sie ist mein Fels, mein Anker – diejenige, die mich festmacht, wenn die Welt um uns herum außer Kontrolle gerät. In einer besseren Welt hätte sie diesen Moment, um in Ehre zu erstrahlen, während ich der Welt zeigte, dass ich ohne ihre Liebe und ihre Gnade nichts wäre.Wäre Lily nie auf diese Anzeige reagiert, wäre sie nie versehentlich in mein Büro gestürzt, stünde ich heute nicht hier. Die Art, wie sie an jenem Tag sofort mein Herz eroberte, hatte mich überrascht. Der Moment, als sie in meine Welt trat, war ein Segen, den ich noch nicht zu erkennen bereit war. Sie weckte mich aus den kalten, engen Finsternissen meines gebrochenen Herzens. I
POV LilyDas unterdrückte Lachen Lucians war das Letzte, was ich erwartet hatte, durch unsere Bindung zu hören. Er schien wirklich amüsiert.»Ah«, meldet er sich schließlich geistig bei mir, seine Worte so klar, als stünde er im Zimmer. »Ich nehme an, er hat gewählt.« Ich spüre, wie er den Kopf schüttelt, dann das Gewicht eines tiefen Seufzers. »Er gehört nun zu uns, Lily. Zumindest, wenn du ihn akzeptierst.«In einer Flut von Gefühlen, Bildern und Gedanken bricht die Wahrheit über mich herein und trifft mich so heftig, dass ich einen Schritt zurückweiche. Ich hatte gehört, dass Manuel selbst zu einem Mischling geworden sei: ein mächtiger Wolf, der seine außergewöhnliche Magie ausgleicht – nichts weniger als ein Beta.Nicht irgendein Beta. Mein Beta.Ich strecke meinen Geist über einen weiteren Verbindungsfaden aus, um Elliot zu suchen, meinen jetzigen Beta, und spüre nur, wie seine Bindung sich verändert. Wir sind nicht getrennt, aber das Band wird dünner, zerfasert. »Elliot?«»Luna‑
POV LilyEinige Augenblicke früher»Bitte, ihr müsst nicht so viel Aufhebens um mich machen. Das ist nicht richtig.«Ariane Stevenson runzelt die Stirn vor dem Spiegel. Ihre Großnichte Emma versucht, sie dazu zu bringen, stillzusitzen, während sie ihr den letzten Hauch Schimmerpuder auf die Wangen pinselt. Selbst ihr Make‑up war schlicht, als sie den Raum betrat – fast so, als wollte sie verschwinden.Als ich Amy kennenlernte, war sie Ariane. Und Ariane war eine schöne, stolze Wölfin, die vor niemandem den Kopf senkte. Sie war eine Alpha, eine Macht für sich allein; stark genug, ein eigenes Rudel zu führen, wenn sie wollte.Doch gerade jetzt lässt sie sich von ihren negativen Gedanken einnehmen und versinkt in tiefe Verzweiflung. Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut – fast hätte es mich nach Evans Verrat aufgefressen. Fast hätte ich geglaubt, ich verdiene es, schlecht behandelt zu werden; so sehr, dass ich jeden anderen an mich heranlassen wollte.Ich frage mich, ob das ein Familienerbe
POV ManuelBeta. Wie kann ich schon Beta sein, wo ich meinen Wolf doch seit weniger als vierundzwanzig Stunden habe? Und nun will der Alphakönig, dass ich wähle: Entweder hierzubleiben und über ihn und seine Familie zu wachen als sein offizieller Beta – oder mit meiner Zwillingsschwester nach Silbermond zurückzukehren. Sie wird dort mit ihrem Gefährten und baldigem Ehemann Elliot die Luna des Westens sein.Das Problem ist: Keine dieser beiden Möglichkeiten klingt gerade berauschend. Und doch klingen beide unglaublich. So sehr Lucian Blackthorne und ich uns bekämpft haben – er hat auch über die Grenzen der Arten hinweg gereicht, um allen Hexen das Gefühl zu geben, willkommen zu sein. Er hat sich sogar als Vertrauter meiner Hexe anbieten lassen und seine Kraft an Emma und mich gebunden, sodass wir seine natürliche Verbindung zum Rudel nutzen konnten, um Lily zu finden. Das war mutig. Wäre ich eine mächtigere Hexe gewesen – oder von einer benutzt worden – hätten wir ihn wahrhaftig zu uns
POV LucianParris Abernathy steht auf der anderen Seite der Tür, sein fröhliches Grinsen breit, und neben ihm steht Manuel – jener Hexe, der vor Monaten versucht hat, Lily mir zu entreißen. Auch wenn wir längst darüber hinaus sind – so weit, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass Lily diesem schlauen Hexenjungen auch nur einen zweiten Blick schenken würde –, spüre ich trotzdem einen Hauch von Abneigung, wenn ich ihn ansehe.»Ähm, Alpha.« Der kleinere Mann schluckt seine eigene Verärgerung hinunter und lächelt so strahlend er kann, während er die Hand seines Gefährten drückt. »Großmutter sagt, es ist Zeit. Sie brauchen Sie und die beiden anderen Bräutigame am Altar.«»Das klingt nach meinem Stichwort.« Dorian erhebt sich und klopft Krümel von seinem Schoß. Als einziger noch lebender Elternteil Lilys wird der alte Gamma meine wunderschöne Königin zum Altar führen, unter den Bogen der Mondgöttin im Tempel auf dem Dachgeschoss. »Wartet Elowen mit den Mädchen auf uns?«»Sie sagte, sie wü
POV ElowenVor fünfzig Jahren, jenseits von Sand und Bergen, in der großen Küstengemeinschaft von Silbermond, traf eine junge Hexe mitten in der Nacht auf zwei Wölfe. Ihre Mission: einen Friedensvertrag auszuhandeln. Der Vertrag selbst sollte weitere fünfzehn Jahre hin‑ und hergehen, bis beide Seiten endlich zusammenkamen und eine neue Welt schufen: eine Welt, in der sie voneinander getrennt lebten und den Frieden durch diese Trennung bewahrten. Und je weiter unsere Völker voneinander entfernten, desto fester verankerten wir uns in unseren irrigen Überzeugungen. Wir vergaßen unsere gemeinsamen Geschichten und unsere Kultur und verloren das Gefühl dafür, dass alles miteinander verbunden ist.Wölfe und Hexen waren niemals dazu bestimmt, getrennt voneinander zu leben. Beide Völker sind Geschöpfe aus Magie und Mondlicht, die im Einklang mit den Wäldern leben, deren Geist durch unsere Adern fließt. Wir verehren dieselbe Muttergöttin – sie schenkt uns nicht nur das Leben, sondern führt uns







